Top Young Science Nachwuchsförderpreis Schmerz 2021

16. November 2021

Wissen schaffen – Wissen leben: Deutscher Schmerzkongress 2021 in Mannheim

 

Nach der rein digitalen Preisverleihung 2020 konnten die diesjährigen Gewinner des Nachwuchsförderpreises der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. am 23.10.2021 wieder persönlich, während des Top Young Science Symposiums, der Bühne für wissenschaftlichen Nachwuchs, ihre Urkunden in Empfang nehmen. Ausgezeichnet wurden vier Nachwuchswissenschaftlerinnen- und wissenschaftler mit innovativen zukunftsweisenden Projekten im Bereich der Schmerzforschung, die einen wesentlichen Beitrag zur interdisziplinären praxisbezogenen Therapie akuter und chronischer Schmerzen erwarten lassen. Der Preis wird jährlich von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. vergeben und wurde dieses Jahr zum wiederholten Mal in Kooperation mit der Firma EVER Pharma GmbH im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses in Mannheim verliehen. Die EVER Pharma GmbH unterstützt den Nachwuchsförderpreis und somit auch die anwendungsbezogene patientenorientierte Schmerzforschung.

Seit 1934 ist die EVER Pharma GmbH, mit ihren weltweit über 1000 Mitarbeitern, ein inhabergeführtes Unternehmen mit Hauptsitz in Unterach/ Österreich. Als vollintegrierter Pharmaspezialist, forscht, entwickelt, und produziert die EVER Pharma GmbH in Ihren eigenen Produktionsstätten in Österreich und Deutschland. Die Vertriebsniederlassung in Gröbenzell setzt für den deutschen Markt, mit ihren drei starken Business Units Klinik & Onkologie, Neurologie und Schmerz, den Fokus auf schwer herstellbare Generika sowie innovative neue Produkte und Medizintechnik. „Wir sind ein sehr junges, flexibles und dynamisches Unternehmen. Wir streben stets nach Innovation, gehen immer einen Schritt weiter in Richtung Fortschritt und suchen stets nach neuen Therapieoptionen und Lösungen für Ihre Patientinnen und Patienten und somit auch für Sie. Dadurch entstand auch die Motivation genau diesen Nachwuchsförderpreis zu unterstützen, denn wir sehen genau diese Innovation, die Flexibilität und auch die Dynamik bei den jungen Forscherinnen und Forschern im Schmerzbereich.“, erklärt Eva Skarke, Medical Manager der EVER Pharma GmbH, Gröbenzell/ Deutschland.
Den mit insgesamt 1.000 € dotierten dritten Preis des diesjährigen Nachwuchsförderpreises Schmerz 2021 teilen sich Frau Lisa Sturm, Medizinstudentin an der Universität Hamburg und Frau Jackie Grünert, Studentin der Humanmedizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Frau Lisa Sturm wurde ausgezeichnet für ihre Forschungsarbeit mit dem Titel: „Funktionelle Somatotopie des Nervus Trigeminus im Hirnstamm“. Die bisher am Tiermodell beschriebene Somatotopie wurde nun erstmals am Menschen mittels MRT Bildgebung gezeigt. „Es gibt diverse Tierstudien, die belegen, dass der Nervus Trigeminus über seinen gesamten Verlauf somatotop gegliedert ist, und zwar speziell auch im Hirnstamm, innerhalb des Nucleus Spinalis Nervus Trigemini, der speziell für die Schmerzverarbeitung zuständig ist und somit eine große Rolle in der Pathogenese von Kopf und Gesichtsschmerzen spielt.“, erklärte Frau Sturm, Doktorandin sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Arne May am Institut für Systemische Neurowissenschaften in der Arbeitsgruppe „Headdache in Pain“ am UKE, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

Zusätzlich wurde die Arbeit von Frau Jackie Grünert, Doktorandin sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von PD Dr. Magdalena Prüß, am Zentrum für Innere Medizin, Gastroenterologie und Nephrologie, prämiert. In ihrer Doktorarbeit mit dem Titel: „Funktionelle Gehirnveränderungen und Reduktion der Schmerzwahrnehmung bei Patientinnen mit Endometriose durch transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)“ geht es um Entstehungsmechanismen der Schmerzwahrnehmung bei Endometriose Patientinnen. „Die Jury hat Frau Grünert für den 2. dritten Preis, auf Grund des interessanten Studiendesigns für die bisher sehr wenig beachtete aber klinisch ausgesprochen wichtige Patientengruppe, ausgezeichnet.“, verkündete Frau Priv.-Doz. Dr. Regine Klinger, Juryvorsitzende der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Hamburg UKE.

Der zweite Platz ging an Frau Dr. Margareta Miriam Düll, die bis 2017 Humanmedizin an der Universität Erlangen studierte mit anschließender Tätigkeit als Assistenzärztin an der Klinik für Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie. In ihrer Promotionsarbeit, die sie Ende letzten Jahres mit einem summa cum laude im Labor von Prof. Namer, Institut für Physiologie und Pathophysiologie in Erlangen abgeschlossen hat, beschäftigte sich Frau Dr. Düll mit dem Thema: „Axonale Veränderungen humaner C-Fasern durch das diabetische Stoffwechselprodukt Methylglyoxal“, wofür sie im Rahmen des Nachwuchsförderpreises Schmerz 2021 den zweiten Preis gewann, der mit 3.000 € dotiert wurde. Im Humanexperiment konnte Frau Dr. Düll zeigen, dass das diabetische Stoffwechselprodukt Methylglyoxal über C-Faser Aktivierungen dosisabhängige chemische Schmerzempfindung und langanhaltende Hyperalgesie erzeugt. „Das Projekt soll sich nun mehr fokussieren auf die axonalen Eigenschaften und inwiefern diese durch das Methylglyoxal bei humanen C-Fasern verändert werden.“, erläuterte Frau Dr. Düll das weitere Vorgehen ihrer Forschungsarbeit. Schon im Jahr 2019 erhielt sie für die Vorstellung des Projekts im Symposium den Vortragspreis. „Die Jury bewertete den bisherigen Werdegang und das dazugehörige Projekt als hervorragend und wir hoffen, dass Frau Düll langfristig der Schmerzforschung erhalten bleiben wird.“, verkündete Frau Priv.-Doz. Dr. Regine Klinger.

Der erste Preis über 6.000 € wurde verliehen an Herrn Dr. Jan David Wandrey aus Berlin für seine herausragende Forschungsarbeit mit dem Titel: „Translationale Expression von Kortikoidrezeptoren“. Bis 2017 widmete sich Herr Dr. Wandrey dem Studium der Humanmedizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin mit nun anschließender Facharztausbildung in der Klinik für Anästhesiologie am Campus Virchow-Klinikum. Seit 2020 engagiert er sich zusätzlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe zur klinischen translationalen Schmerzforschung von Prof. Dr. Michael Schäfer und PD Dr. Sascha Tafelski. „In der Arbeitsgruppe konnte gezeigt werden, dass MR (Mineralokortikoid) und GR (Glukokortikoid) Rezeptoren relevante Einflüsse auf das Schmerzerleben haben. Die Ergebnisse des Tiermodells wollen wir nun in Humanproben überprüfen.“, erklärte Herr Dr. Jan David Wandrey bezugnehmend auf sein laufendes Projekt. Bis zum Abschluss seiner Promotion im Sommer 2021 befasste er sich mit der Untersuchung der Wirksamkeit von regional-anästhesiologischen Verfahren zur Therapie von Patienten mit chronischen-neuropathischen Schmerzen im Kopf und Halsbereich. Herr Dr. Jan David Wandrey gehört zu den Gründungsmitgliedern und ist Mitglied im Sprecherteam der jungen Schmerzgesellschaft, für die er sich außergewöhnlich stark engagiert. „Wir sind überzeugt davon, dass diese hervorragende Leistung in Zukunft ein wesentlicher Beitrag zur Schmerzforschung sein wird, deshalb hat sich die Jury für die Förderung von Herrn Dr. Wandrey entschieden“, begründete Frau Priv.-Doz. Dr. Regine Klinger die Juryentscheidung.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V., die Jury sowie die EVER Pharma GmbH gratulieren den Preisträgern des diesjährigen Nachwuchsförderpreises Schmerz 2021 und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg für ihre zukünftigen Forschungsarbeiten.